Position des BdP zur Weiterentwicklung der Allergologie in der medizinischen Versorgung



Obwohl die Zahl der Patienten mit allergischen Krankheiten zunimmt und obwohl in manchen Regionen allergologische Leistungen zusätzlich vergütet werden, geht die Zahl der allergologisch tätigen Kollegen in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Das bisherige System der Weiterbildung und die Bemühungen der Verbände und wissenschaftlichen Gesellschaften konnten diese Entwicklung nicht aufhalten. Deshalb sieht der BdP Handlungsbedarf, um die Allergologie in Praxis und Klinik zu fördern und mehr Ärztinnen und Ärzte für das Fach Allergologie zu begeistern.

Der Bundesverband der Pneumologen sieht es als vordringliche Aufgabe an, die Allergologie, die in den Praxen einen großen Anteil unseres Versorgungauftrages darstellt, als einen Kern unseres Fachgebietes zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Die Zahlen der Kollegen, die die ZWB erwerben, gehen kontinuierlich zurück, die klinische Weiterbildung in den pneumologischen Kliniken ist entweder nicht existent oder nur teilweise vorhanden und zunehmend notleidend. Ambulante Weiterbildung findet so gut wie nicht statt. Um diesen Trend umzukehren sind wesentliche Änderungen im Weiterbildungssystem notwendig.

Dazu gehört die Einbeziehung allergologischer Inhalte in die Regelweiterbildungszeit zum Pneumologen, um die Allergologie innerhalb der Pneumologie zu erhalten. Gleichzeitig muss es möglich sein, die Zusatzweiterbildung Allergologie ohne rechtliche und organisatorische Hürden zu erlangen.

Es gibt neue Rahmenbedingungen für alle Weiterbildungen und Zusatzweiterbildungen:

  • Die MWBO wird seit vielen Jahren in der Ärzteschaft beraten.
  • Es ist erklärtes Ziel des Ärztetages, sämtliche Zusatzweiterbildungen, mit wenigen Ausnahmen, berufsbegleitend zu etablieren. Ebenso besteht eine breite Übereinstimmung, die MWBO zu verschlanken und zu verkürzen mit dem Ziel, dass nach der vieljährigen Ausbildung ein Arzt auch sein Fach so umfänglich, wie möglich beherrscht.


Hier, nicht bei der Frage „berufsbegleitend oder nicht“, ist die Frage nach den Qualitätskriterien einer Weiterbildung festzumachen. Sie muss natürlich für jedes einzelne Fachgebiet sinnvoll festgelegt werden.

Dabei ist auch die Frage zu klären, inwieweit vorgegebene Weiterbildungszeiten und vorgegebene Zahlen für Prozeduren sinnvoll, realistisch und notwendig sind.

Der Ärztetag hat diesen Paradigmenwechsel mit der Änderung der Ziele in „Kognitive und Methodenkompetenz“ und „Handlungskompetenz“ vollzogen.

Die WBO ist de facto zu einer Berufsausübungsordnung geworden, indem die KV die Vorgaben der WBO in großen Teilen als Zulassungsvoraussetzung für die Leistungserbringung übernommen hat. Damit wird in der WBO definiert, was ein Pneumologe auch honorarseitig und haftungstechnisch „darf“. Bisher ist es gelungen die Allergologie für alle Pneumologen, mit oder ohne Zusatzbezeichnung, offen zu halten. Es gibt aber Bestrebungen dies zu ändern, die Diskussion zur NVL Asthma hat dies deutlich gezeigt.

Ambulanter Teil der allergologischen Weiterbildung notwendig


Die Allergologie kann nur dort gelernt werden, wo sie stattfindet. Praktische Erfahrungen am Patienten müssen sichergestellt werden. Viele Pneumologen schließen Ihre Schwerpunkt-Weiterbildung ab, ohne intensive praktische allergologische Ausbildung, sehr viele inzwischen auch vollkommen ohne anrechnungsfähige Allergologie-Zeiten aus der Schwerpunkt Weiterbildung. Eine qualifizierte allergologische Ausbildung ist aber eine wesentliche Voraussetzung der niedergelassenen Tätigkeit in einer Praxis.

Was bedeutet berufsbegleitende Weiterbildung?

„Eine berufsbegleitende Weiterbildung ist die Erlangung einer Zusatzweiterbildung neben einer hauptberuflichen ärztlichen Tätigkeit unter Anleitung zur Weiterbildung befugter Ärzte oder durch Unterweisung in anerkannten Weiterbildungskursen bzw. Fallseminaren“ (Beratungsergebnis der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ am 16.04.2018).

Auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt 2018 wurde beschlossen, den „berufsbegleitenden Erwerb von Zusatzweiterbildungen in größerem Umfang zu ermöglichen“ und ebenso „bei der weiteren Gestaltung des Abschnittes C Weiterbildungszeiten und -zahlen abzubauen und dadurch mehr Möglichkeiten einer kompetenzbasierten, berufsbegleitenden Weiterbildung zu schaffen“.

„Gerade die Zusatzweiterbildungen satteln auf einem Facharzt auf, so dass auf bestimmte Erfahrungszeiten zurückgegriffen werden kann, über die in Weiterbildung befindliche Ärztinnen und Ärzte bereits verfügen. Weitere Erfahrungszeiten sind nur dort notwendig, wo über erworbene klinische Erfahrungen hinaus eine durchgehende ganztägige klinische Erfahrung mit einem besonderen, selektierten Patientengut unbedingt erforderlich ist“

Dies führte folgerichtig zu dem Beschluss, „den Erwerb der Zusatz-Weiterbildung Allergologie berufsbegleitend zu ermöglichen.“

Damit soll erreicht werden, dass ein Kollege nicht nur in einem Angestelltenverhältnis, sondern auch als selbständiger, niedergelassener Arzt unter einem befugten Kollegen weitergebildet werden darf. Das ist bisher nicht möglich. Damit wäre dieser Vertragsarzt nach seiner Niederlassung für die Allergologie (wie auch für andere Zusatzweiterbildungen) verloren. Die fehlende Möglichkeit einer berufsbegleitenden Weiterbildung ist ein Grund für den Rückgang der Anerkennungen der ZWB Allergologie.

Allein aus der Tatsache die ZWB Allergologie berufsbegleitend zu etablieren, einen Qualitätsverlust oder gar die Vernichtung der Allergologie zu folgern, entbehrt einer sachlichen Grundlage.


Im Gegenteil ermöglicht eine berufsbegleitende WB jetzt erstmals die Defizite der jetzigen (meist stationär klinischen) ZWB zu beheben, die aus einer ausschließlich klinisch stationären WB schon aufgrund des selektierten Krankengutes entstehen.

Gleichzeitig wäre es möglich, eine größere Zahl von Pneumologen allergologisch weiterzubilden und zu geprüften Allergologen zu machen. Bei gleichem Curriculum mit denselben Qualitätskriterien und gleicher Prüfung ist eine Minderung der Qualität der Allergologie-Weiterbildung allein durch die Tatsache des ambulanten Settings nicht zu befürchten.

Im Gegenteil würde die Attraktivität der Pneumologie und der Allergologie gesteigert und wäre damit ein Beitrag zur aktiven Nachwuchsförderung.

Um es nochmals klarzustellen: Es geht dem BdP um eine Verbesserung der Qualität der ZWB Allergologie. Es geht nicht um eine Weiterbildung ohne Weiterbilder durch ein alleiniges Kurssystem oder eine alleinige telemedizinische Supervision mittels elektronischer Patientenakten und Fallkonferenzen. Auch die Prüfung muss erhalten bleiben.

Die Qualitätskriterien der Weiterbildung folgen natürlich der Gesamtlogik der beschlossenen Reform der Musterweiterbildungsordnung und müssen im Curriculum abgebildet sein.

Das von den Berufsverbänden und betroffenen wissenschaftlichen Gesellschaften 2017 entwickelte Curriculum ist dafür eine geeignete Basis und sollte entsprechend weiterentwickelt werden.

Fazit: Der BdP sieht in der geplanten Entwicklung der MWBO eine Chance die Allergologie als einen Kern des Fachgebietes Pneumologie zu stärken und durch die berufsbegleitende, curriculare ZWB die Allergologie auf eine breitere Basis zu stellen. Gleichzeitig können die Defizite der bestehenden (zeitgebundenen ZWB) behoben werden.

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